23.02.2014

und doch wie du - dem vater

ja es ist schicksal von uns söhnen, zu werden wie ihr wart, ihr väter. wobei, wie war dann deiner? von lustigem grössenwahn und strenge hast du berichtet. doch was in dir war er?
vielleicht sehen sich immer nur die söhne in den spuren der väter.
wer weiss, was meine töchter denken.

manches wiederholt sich aber doch frappant, ganz wie du, habe ich mich letztlich selbst auf die richtbank geschleppt und durch mein tun gefleht und nicht geflohen, mir doch nun endlich den kopf abzuschlagen. tötet mich, damit ich endlich ein neues leben starten kann. und wie bei dir war mastermind ein mastermind und ausführende die üblichen chargen. auch in der leistungsgesellschaft siegt gern einmal das mittelmass. die truppen eben.

bei der Neugeburt hilft sonne, see, musik und bewegung. viel von allem, wenn es geht.

vater es gibt jetzt fahrräder mit elektromotoren, die machen möglich, dass du spielend um den see fährst und den rest des tages auch noch laufen kannst. mit dem gold vom see im blick. und das im anzug, wenn du willst. quasi. du musst schon treten,  aber immer dann, wenn es ein wenig schwerer werden würde, bekommst du einen kleinen schub aus der batterie. das macht mehr spass als sinn. dabei kannst du über dein telefon glenn gould hören oder was immer du willst. ja das gibt es, deine oistrach platten sind auch dabei. per telefon. doch davon ist nicht heute zu berichten.

mehr noch als du teste ich gern dinge bis an ihre grenze. und genau wie du, verlasse ich mich beim planen auf inspiration statt karten, schliesslich habe ich den draht vererbt bekommen, von dem du nicht mal wusstest. in deiner zeit ging es nicht um drähte. nennen wir es den hang zum glück. den hab ich ganz wie du.

doch nun zurück auf das rad, an das ende des sees, zum kanal, der zum nächsten see führt, zu herrlichen hügeln, die kein problem mit diesem e - bike (so nennt man das) sind. immer weiter zog ich meine kreise, es hat ja diese zusatzkraft. ein ziel war schon und ein vages wissen, dass dieses ziel hinter mehr als einem hügel versteckt ist. doch so richtig klar wurde mir erst beim anstieg weg von den gestaden des zweiten sees, das nun die eigentliche anstrengung erst beginnt. nicht für mich, für die batterie. nach etwa drei stunden im sattel kam es dann heftig. fast wie bei uns daheim, die pfortner strasse hoch, nur länger. und just als ich erstmals auf volle unterstützung schaltete, war die wunderbatterie leer. sehr harsch zeigte das rad plötzlich, dass es ohne hilfe schwer und mit nur sieben gängen, den berg hoch nicht zu fahren ist. ich war mit einem jetzt sinnlos extraschweren fahrrad mitten in den unübersichtlichen hügeln auf wunderbaren radwegen gefangen und wusste nicht einmal genau, wo mein ziel zu suchen sei. das telefon, das einem auch glenn gould funkt, sagte mir zumindest wo ich war und wie ich zu der grossen strasse komme, die dann ganz sicher zu meinem ziele führt. das sagt man heute übrigens gern, das etwas zielführend sei. oder besser, man sagt gern, das etwas nicht zielführend sei. nur damit du weisst, wie man heute spricht. die macht der pfadfinder.

und wie ich mich zu dieser strasse quälte und dann auf ihr tatsächlich an mein ziel, einen abbruch längst geplant, das war dann vaterblut in mir. wir schaffen es, wir schaffen es, wir schaffen es - hast du skandiert, als wir, ich unter deinem mantel, dem sturm auf rügen trotzten und die acht kilometer zurück zum zelt und zur mutter tapfer überwanden. das ist mir geblieben. das bist du in mir. und das mir mitten am Hügel, weit weg von start und ziel, die batterie ausgeht und ich keinen plan b (auch das sagt man heute so) habe ausser mir selbst, das bist auch du in mir. und das ist gut.

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