herr ü. hatte gestern abend das ausserordentliche vergnügen, die britten sinfonia unter christopher hogwod zu hören. doch davon soll nicht berichtet werden, wozu über gute musik und schöne bilder noch reden? nur so viel, sie spannten den bogen von purcell bis zu martinu, schon das wie ein abend zum verstehen von musik. dabei war es ein fühlen. und alles auf stahlsaiten. unglaublich.
herr ü. und seiner liebsten fiel natürlich der abend vor einer woche ein, an dem sie david helfgott in bern hörten. herr ü. wollte nichts darüber schreiben und das lag an dem unglaublich schlechten weil korrekten orchester, das mit dem speziellen solisten nichts anzufangen wusste, ausser dort einzusetzen wo man einsetzen muss und nicht da wo es geraten erschien. obwohl dieses orchester, welches zur strafe hier nicht mal genannt wird, ja einen gewissen aufmerksamkeitsbonus durch den australier bekommt. dieses konzert wurde ja mit und immer auch für ihn gespielt. das klappte nicht und bestärkte so den zwiespältigen eindruck, den man vom auftritt des weltberühmten pianisten bekam.*
tja helfgott. nichts ist mehr wie vordem, wenn sie einen film über dich drehen. das schlechte orchester machte deutlich, worum es heute bei helfgott geht. all den leuten, die den film lieben, das unglaubliche erlebnis zu vermitteln, den helden der geschichte in wirklichkeit spielen zu hören. und das ist kein guter ansatz für ein konzert.
helfgott ist ein symbol und gerade für die wichtig, die auch nicht klar und gerade durchs leben kommen. also für fast alle. der mann im roten seidenkaftan hüpft auf die bühne, macht seine tänze, reckt die krummen daumen in die luft und freut sich. dann sitzt er ans klavier und spielt einfach los, das orchester muss sehen, das es mitkommt. beim rachmaninow war sich herr ü. nicht immer sicher ob der star auch wirklich das spielt, was auf dem blatt steht. hören tat man es nicht immer. einmal steht er auf, geht zum dirigent, zupft den am ärmel und lässt sich zeigen wo man gerade ist. helfgott spielt aus dem kopf. klar. nur diese szene hat das konzert dann doch gelohnt. nach dem konzert freut er sich wie ein kind, hüpft, springt, küsst alle erreichbaren frauen, schüttelt immer wieder die hände der gleichen und legt seinen kopf an die schulter des dirigentn. da kommen einem tränen.
beim grieg dann merkt herr ü., dass es sich hier um interpretation handelt. eine sehr, sehr eigenwillige. logisch. das grosse solos im kopfsatz entschädigt dann für alles, da ist er, der magische moment, den man von einem irren erwartet. da nimmt er uns mit ganz weit weg in seine welt. zehn minuten, für die der abend, der nicht den erwartungen eines konzertes enstprach und auch nicht entsprechen sollte, sich lohnte.
viel show, wenig musik. das ist herr ü.s fazit.
die show macht nicht helfgott, der ist echt.
die show wird mit ihm gemacht.
wir machen die show mit ihm.
um es klar zu sagen.
*zwiespältiger eindruck ist ein schöner ausdruck für das konzert eine schizoiden.