herr ü., der seit vielen jahren als gast in dem schönen land mit den hohen bergen, den grünen seen und warmen winden lebte, ging mit einem der neu dort war und auch dauerhafter gast werden wollte, in den ausgang, um ihm bei einem bier zu erklären, was in dem land, neben seiner schönheit und den sehr speziellen aber angenehmen menschen, noch anders war als im grossen heimatland.
massiv stand es einem ab und an einfach im wege und musste sich viel weniger selbst behaupten, da es einfach da war. mauern musste man hier nicht bauen und wieder einreissen. sie waren schon immer da und wurden seit jahrhunderten immer wieder überwunden. mit offener hand, wie heute auch noch.
es zählte weniger das wort, die steuern waren tief, die beamten freundlich und die ampeln sozialistisch geschalten.
herr ü. führte den landsmann in einer der schönen und berühmten städte des landes durch die engen gassen. durstig und durchgefroren hielten sie ausschau und fanden auch schnell ein besonders heimelig durch bleiglas leuchtendes beizchen.
die herren kehrten ein. auf abgeschabte schwarze lederbänke, in eine bar deren besten zeiten gewesen sein mussten, als anderswo noch mauern standen. da die nun schon lange offen waren und es eine personenfreizügigkeit gab, waren die einzig anwesenden gäste einige junge osteuropäische frauen, die ihre haut und mehr freizügig zeigen würden, so die langsam eintrudelnden herren freigiebig genug waren.
herr ü. fragte die kellnerin nach feuer.
dai menje poschalsta spitschki. sagte er spontan und war ob sich selbst erstaunt. so was lernte man, wenn man hinter der mauer aufgewachsen war.
bald sass eine sehr schöne, total betrunkene lettin bei ihnen und das gespräch entwickelte sich so, dass herr ü. aufstand und "i schänk dir mis härz" aus der jukebox kitzelte. die junge frau fand sowieso viel mehr interesse an seinem jüngeren kollegen. herr ü. wurderte sich nicht, augenscheinlich sah man ihm an, in keiner sexuellen not zu sein. herr ü. war dermassen verliebt, dass er erstmals in seinem leben sogar ein foto der geliebten bei sich trug, dass er dann beim bezahlen einer der runden dem kollegen und der lettin auch noch zeigte.
ab da hatte er ruhe und unterhielt sich auf russisch mit der bedienung ohne zu verstehen warum es genau ging. die oma war tot. irgendwie. oder eine matrjoschka kaputt.
auch der kollege machte keine anstalten sich auf das verlockende angebot der jungen frau einzulassen. doch herr ü. ahnte nöte, die es vielleicht später nötig machten, von diesem ort zu wissen und sagte dem kollegen, er solle sich gut merken, wo diese bar wiederzufinden war.
herr ü. konnte sich an die ersten jahre im fremden land gut erinnern. da hatte er manchmal in seiner einsamen not einen solchen laden gesucht und nie gefunden.
erst jetzt, als er wie ein teenager ein bild der liebsten bei sich führte, lief er wie ferngesteuert in den altstadtpuff.
dem mond zwinkerte er zu, als er glücklich allein ins hotel zurück ging.
und der mond grinste kalt zurück.
so war das in dem schönen land.